Panorama

Sicherheitsmechanismus umgangen Staatsanwalt ermittelt nach Horror-Unfall mit Mähdrescher

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Am Feldrand steht der Mähdrescher, durch den ein 25-jähriger Landwirt am 19.August 2023 beide Beine verlor.

Am Feldrand steht der Mähdrescher, durch den ein 25-jähriger Landwirt am 19.August 2023 beide Beine verlor.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die dramatische Rettungsaktion nach einem Landwirtschaftsunfall im Sommer 2023 bei Rostock sorgt bundesweit für Aufsehen. Ein Landwirt gerät in einen Mähdrescher, auf offenem Feld werden ihm beide Beine amputiert. Die Polizei bezweifelt einen reinen Unfall. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Es war eine spektakuläre Rettungsaktion an einem Augustwochenende im Sommer vergangenen Jahres. Nach einem Arbeitsunfall mit einem Mähdrescher auf einem Feld in Mecklenburg-Vorpommern wurden einem Landwirt in einer Not-OP vor Ort beide Beine amputiert. Nun scheint der Fall auch strafrechtliche Konsequenzen zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen zu dem Fall aufgenommen. Ein Sicherheitsmechanismus soll umgangen worden sein, berichtet die "Bild"-Zeitung.

Es gehe nun darum, zu klären, "ob einer der drei beim Unfall anwesenden Personen eine strafbare Pflichtverletzung vorzuwerfen ist", zitiert die Zeitung eine Sprecherin der Rostocker Staatsanwaltschaft. Die Ermittler werten derzeit die Gutachten und die Vernehmungen des Unfallopfers, seines 25-jährigen Kollegen und der 24-jährigen Frau aus, die auf dem Fahrersitz des Mähdreschers gesessen hat, heißt es.

Sicherung schaltete Mähdrescher nicht aus

Bereits direkt nach der dramatischen Rettungsaktion ermittelte die Polizei wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung. Laut dem Polizeisprecher waren bei dem Unglück drei Menschen direkt zugegen: Zwei 25 Jahre alte Mitarbeiter des Agrarbetriebs und eine 24 Jahre alte Erntehelferin. Vor dem Fortsetzen der Ernte wollten sie demnach die Bunkeranlage des Mähdreschers leeren. Dabei hätten sie eine technische Störung festgestellt.

Eigentlich würde die Maschine wegen einer Sicherung ausgehen, wenn sich niemand auf dem Fahrersitz befindet, sagte der Sprecher. Die Helferin befand sich demnach allerdings weiterhin auf dem Sitz, während die 25-Jährigen mit Schaufeln die Störung hätten beseitigen wollen. Der nicht verunfallte 25-Jährige habe zudem einen Anruf entgegengenommen.

Härteste Operation im Leben des Unfall-Chirurgen

Der Vorfall ereignete sich am 19. August 2023 bei der Ernte. Wegen einer Verstopfung mit Getreide schaute ein 25 Jahre alte Mitarbeiter eines Agrarbetriebs im Landkreis Rostock im Kornspeicher eines Mähdreschers nach. Beim Versuch, die Blockade zu entfernen, war er mit beiden Beinen in zwei gegenläufig drehende Förderschnecken geraten.

Ein herbeigerufenes OP-Team der Uniklinik Rostock amputiere dem Mann während eines mehrstündigen Einsatzes auf freiem Feld beide Beine, um ihn aus dem Mechanismus zu befreien. Schließlich retten die Helfer damit auch sein Leben. In einem Interview mit dem "Nordkurier" beschreibt der Chirurg Clemens Schafmayer die Rettungs-OP auf dem Acker als eine der anspruchsvollsten und härtesten in seinem Leben.

Weil der Landwirt nicht aus der Maschine befreit werden konnte, richtete sein Team noch auf dem Feld einen mobilen OP-Saal ein. Der "Bild"-Zeitung gegenüber erklärte der Mediziner, er sei wahnsinnig stolz auf sein Team, den Notarzt, die Feuerwehr und die Polizei vor Ort. "Alle haben alles richtig gemacht und ihren Beitrag geleistet, dass wir ein Leben retten konnten", so der erfahrene Chirurg.

Quelle: ntv.de, gut/dpa

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